Auf einem privatwirtschaftlich organisierten Wohnungsmarkt soll die Nachfrage das Angebot bestimmen.
Die Nachfrage ist groß – denn Menschen möchten lieber ein Dach über dem Kopf haben als keines.
In den Bau und den Erhalt von Wohnraum investieren Unternehmen und Privatpersonen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Mietpreis, und theoretisch können alle das Wohnungsangebot wählen, das ihren Bedürfnissen entspricht.
Auf dem Wohnungsmarkt übersteigt die Nachfrage das Angebot.
Boden ist eine begrenzte Ressource. Bauland ist knapp und entsprechend teuer. Deshalb entwickeln Investor:innen vor allem hochpreisige Wohnungen, deren Vermietung eine möglichst hohe Rendite verspricht.
»Der privatwirtschaftlich organisierte Wohnungsmarkt orientiert sich nicht an Fragen von Gerechtigkeit und auch nicht an dem Auftrag, reale Bedürfnisse zu befriedigen.«
Die Folgen sind deutlich spürbar:
Bezahlbare Wohnungen fehlen.
Viele Menschen geben mehr als 40 % ihres Einkommens für das Wohnen aus.
Gleichzeitig stehen zahlreiche teure Wohnungen leer.
Bestehender Wohnraum kann zu immer höheren Preisen vermietet werden.
Menschen werden aus ihren Stadtteilen und den Städten allgemein verdrängt.
Die Bewohner:innen und Genossenschaftsmitglieder der sonara eG bewohnen und verwalten ihr Haus gemeinschaftlich.
»Häuser wie dieses hier werden nicht privatwirtschaftlich, sondern gemeinwohlorientiert bewirtschaftet. Dieses Haus hier gehört niemandem privat, hier werden keine Erträge erwirtschaftet.«
Statt Renditen für Eigentümer:innen zu erwirtschaften, orientieren sich die Mieten in genossenschaftlichen Wohnprojekten an den tatsächlichen Kosten für Bau, Kredite und Instandhaltung.
Die entscheidende Frage lautet dabei nicht:
Wie viel Geld können wir auf einem angespannten Wohnungsmarkt verlangen?
Sondern:
Wie viel Geld braucht unsere Genossenschaft, um die tatsächlich anfallenden Kosten zu decken?
Dieses Prinzip wird als Kostenmiete bezeichnet.
Genossenschaftliche Wohnprojekte schaffen nicht nur bezahlbaren Wohnraum, sondern eröffnen auch Räume für demokratisches Wirtschaften.
Die Mitglieder entscheiden gemeinsam in demokratischen Prozessen darüber, wie die Kosten verteilt werden und wie hoch die Mieten sein sollen. Sinken die Kosten – etwa durch Fördermittel oder zurückgezahlte Kredite –, können auch die Mieten sinken.
»Wie viel Miete wir zahlen, ist bei uns eine demokratische Entscheidung und nicht eine, die irgendwie so passiert, ohne dass wir darüber Kontrolle hätten.«
»Es geht hier ganz grundsätzlich um Demokratie, um eine demokratische, gemeinwohlorientierte Wirtschaftsweise.
sonara ist ein kleines Projekt, aber von einer tiefen demokratischen Überzeugung motiviert.«
Genossenschaftliche Wohnprojekte zeigen, dass Wohnen nicht in erster Linie ein Renditeobjekt sein muss. Stattdessen kann Wohnraum am Gemeinwohl orientiert organisiert werden – mit demokratischen Entscheidungen, transparenten Kosten und dem Ziel, dauerhaft bezahlbares Wohnen zu ermöglichen.
Danke an Anna Wunderlich für ihr Plädoyer für kollektives Wirtschaften, das diesem Artikel zugrunde liegt und das sie bei der Eröffnung am Tag des offenen Wohnprojekts 2026 mit dem Publikum teilte.
Netzwerk Frankfurt
für gemeinschaftliches Wohnen e.V.
Adickesallee 67 / 69
60322 Frankfurt am Main
Telefon: 069 – 91 50 10 60
E-Mail: vasb@trzrvafpunsgyvpurf-jbuara.qr
Termine nach Vereinbarung
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